Anatomie und Grundlagen

Mindestens 80-90% der Menschen in Industrienationen leiden einmal im Leben an Rückenschmerzen. Vor allem zwischen dem 30. und 55. Lebensjahr treten Rückenschmerzen am häufigsten auf. Die Zahl der unter 30jährigen nimmt jedoch besonders stark zu, bedingt durch falsche Haltung beim Fernsehen oder am PC. Durch Rückenschmerzen entstehen in Deutschland schätzungsweise jährlich insgesamt an die 80 Millionen Krankenstandstage sowie eine Großzahl an Frühpensionierungen. Rückenschmerzen kosten dabei ungefähr 15 Mrd. Euro pro Jahr, eine riesige Zahl, die verdeutlichen soll, welch immense volkswirtschaftliche Bedeutung dieses Kranheitssymptom aufweist.

Fernab dieser nüchternen Zahlen bedeuten Rückenschmerzen für jeden einzelnen Menschen eine erhebelich Beinträchtigung der Lebensqualität. Zudem bedeuten diese "Massenkrankheiten" für den einzelnen Patienten oft auch, dass er sich in der medizinischen Maschinerie häufig "abgefertigt" fühlt. Ebenso werden dadurch den Leidenden häufig passive, meist wirkungslose aber rasch durchführbare Behandlungsmethoden wie Massagen, Medikamente, falsche und viel zu kurz angewendete Gymnastikübungen, Injektionen, Pflaster u.v.m. angeboten.

Besser hingegen sind aktive Bewegungsprogramme. Gerade der Einfluss der Bewegung auf die Enstehung von Schmerzzuständen im Bewegungsapparat gerät neuerdings wieder in den Blickpunkt der Forschung.

Im Folgenden wird kurz der Aufbau der Wirbelsäule inklusive der Bandscheiben beschrieben und nochmals auf die Unterscheidung zwischen Bandscheibenvorfall und Rückenschmerz eingegangen.

Die Wirbelsäule - Achse des Körpers

Die Wirbelsäule ist die biegsame, bewegliche Achse des menschlichen Körpers. Von der Seite betrachtet ist Sie doppelt s-förmig gekrümmt, so dass Sie als federnder Stab vor allem dem aufrecht gehenden Menschen zu einem elastischen Gangbild verhilft.

Die einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule (Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule) setzen sich aus vielen kleinen Bauelementen zusammen. Der Grundbaustein ist der Wirbel. Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben. Jeder Wirbel besteht aus einem vorn liegenden Wirbelkörper und einem Wirbelbogen, der nach hinten das so genannte Wirbelloch umgibt. Diese Wirbelbögen bilden einen Kanal, der dem darin verlaufenden Rückenmark und den zwischen zwei Wirbelbögen austretenden Nervenwurzeln einen knöchernen Schutz bietet.

Zwischen zwei Wirbelkörpern liegt, wie bereits gesagt, die Bandscheibe. Sie dient vor allem der Beweglichkeit der Wirbelsäule und übrigens nicht - wie oft beschrieben - als Stossdämpfer. Die "Stossdämpferfunktion" übernimmt die Muskulatur des Rückens.

Die Bandscheiben selbst bestehen aus einem gallertartigen, wasserreichen Kern, der von einem Ring aus Faserknorpel umgeben ist. Der Faserring hat die Aufgabe, ein Austreten oder Verrutschen des Gallertkerns zu verhindern. Bei Bewegung nach vorne, verschiebt sich der Gallertkern nach hinten. Ist der Fasserring spröde geworden, kann er zerreissen und nach hinten weggedrückt werden, ein Banscheibenvorfall entsteht.

Zu jedem tätigen Muskel der eine Bewegung ausführt, gibt es einen Gegenspieler der die Gegenbewegung ausführt. Es gibt Muskeln die ein Gelenk beugen und somit auch solche, die dieses Gelenk wieder strecken. In der Anatomie wird dieses Prinzip durch Agonist (der tätige Muskel) und Antagonist (der Gegenspieler) ausgedrückt.

Dieses Zusammenspiel der Muskeln zwischen Spieler (Agonist) und Gegenspieler (Antagonist) ist ein sehr diffiziles Wirkgefüge; ein Missverhältnis zwischen beiden Anteilen durch falsche Haltung kann zu Verspannungen an einem Teil, meist dem Agonisten führen und schränkt die Bewegungsbahn und die Beweglichkeit ein. Wenn Sie also permanent sitzende Tätigkeiten ausführen, kann es sein, dass sich die Muskelgeometrie verändert, es verkürzt sich die Bauch- und Lendenmuskulatur und dieses Wirkgefüge von Spieler und Gegenspieler kommt dadurch aus dem Lot wobei die Rückenmuskulatur nun die gesamte Last alleine tragen muss, sie verspannt sich und schmerzt. In so einem Fall ist es also besser, die schwache und vernachlässigte Bauch- und Lendenmuskulatur zu beeinflussen, als die ohnehin schon stark angespannte Rückenmuskulatur noch weiter zu stärken.

In manchen Bewegungstherapien konzentriert man sich somit paradoxerweise auf die dem Schmerz gegenüberliegende Seite, im Falle von Kreuzschmerzen ist das die Bauch- und Lendenmuskulatur. Nicht die Rückenmuskulatur wird in diesem Fall gestärkt, sondern der Gegenspieler, die Bauch- und Lendenmuskulatur wird durch gezielte Bewegungsübungen gestärkt.

Oft wird ein akuter Rückenschmerz - im Volksmund auch Hexenschuss oder Ischias genannt - mit dem falschen Heben einer schweren Last in Zusammenhang gebracht. Das Heben von schweren Lasten scheint nach Studien keinen großen Einfluss auf die Entstehung von Rückenschmerzen zu haben, viel mehr sind häufig Menschen betroffen, die sehr viel sitzende Tätigkeiten oder Tätikgeiten mit vorn über gebeugter Körperhaltung absolvieren müssen: Krankenpflegepersonal, Fernfahrer, Tätigkeiten wie Fließenlegen, Tischlerarbeiten...usw. Dies sind somit bevorzugte Risikogruppen für Rückenschmerzen.

Das falsche Heben hat manchmal das Fass nur zum Überlaufen gebracht und unter Umständen auch noch dafür gesorgt, dass die Bandscheibe nach hinten durchgedrückt wurde, nun auf einen Nerv drückt und so Lähmungen verursacht.

 

Infobox Rückenschmerzen an der Lendenwirbelsäule

Bezeichnungen

Lumbago, Lumboischialgie, Ischias, Rückenschmerzen Lendenwirbelsäule, Kreuzschmerzen, Hexenschuss, Low Back Pain, Lumbalsyndrom, radikuläre Symptomatik, Bandscheibenvorfall, Rückenweh, Rückenschmerz, chronische Rückenschmerzen

Anatomie

Die Wirbelsäule besteht aus den einzelnen Wirbeln und den Zwischenwirbelscheiben - den Bandscheiben. Diese Bandscheiben bestehten aus einem Kern in der Mitte und einem Faserring um diesen Kern.

Schlüsselwörter

Lumbago, Lumboischialgie, Ischias, Rückenschmerzen Lendenwirbelsäule, Übungen bei Rückenschmerzen, Gymnastik bei Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen, Hexenschuss, Low Back Pain, Gallertkern, Nucleus Pulposus, Nukleus Pulposus, chronische Rückenschmerzen, Lumbalsyndrom, radikuläre Symptomatik, Bandscheibenvorfall, Rückenweh, Rückenschmerz, was tun bei Rückenschmerzen, was tun bei Ischias, was tun bei Kreuzschmerzen, Packi, McKenzie, Brügger

 

 

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Kurzinfo

Sehr viele Menschen sind im Laufe ihres Lebens einmal von Rückenschmerzen betroffen.